Die Unterhaltung und das Elend.
Letzte Woche habe ich eine Konferenz in den USA besucht. Auf diesem Foto sieht man Alez Zubillaga von Warner, Michael Dell, Danny Rimer und mich bei einer wunderschoenen Bike Tour durch die Berge. Vor einigen Tagen habe ich einen Kommentar einer Frau in meinem Blog gelesen, die sagte, dass sie es furchtbar findet, dass sich so viele reiche Leute an einem Ort treffen und es sich gut ergehen lassen, waehrend es zur gleichen Zeit soviel Elend auf der Welt gibt.

Ich habe mich mit Michael Dell ueber dieses Thema unterhalten und auch darueber wie er zu seinem Vermoegen gekommen ist (das uebrigens um einiges groesser ist als meins) und seine Geschichte wiederholt sich einige Male hier bei dieser Konferenz. Die meisten von uns, die hier teilnehmen, wurden in der Mittelklasse oder auch ganz arm geboren. Niemand hat uns etwas geschenkt. Als ich mich mit Michael unterhalten habe, fragte er mich, wann ich angefangen habe mit dem Fahrrad fahren und ich sagte ihm, dass es damals in New York war, als ich Fahrradbote war – ihm schien es gar nicht ungewoehnlich. Hier auf dieser Konferenz – die viele der reichsten Menschen der Welt vereint – ist es ganz normal ganz unten angefangen zu haben. Michael ist trotz seines enormen Erfolges ein natuerlicher, lustiger, sensibler und unglaublich hart arbeitender Mensch, der sich alles genau wie ich selbst aufgebaut hat. In Spanien und Lateinamerika versuchen viele der Reichen ihre bescheidene Herkunft zu verstecken waehrend dieses in den USA stolz erwaehnt wird. Meine Familie war sehr reich an Intellekt. Mein Vater war Astrophysiker aber die Gehaelter fuer Universitaetsprofessoren in Argentinien waren einfach miserabel. Daher gehoerten wir zwar zu einer intellektuellen Elite aber trotzdem verdiente der Fleischer in der Nachbarschaft (ich wuchs in Las Heras in Buenos Aires auf) um einiges mehr als mein Vater. Um dieses noch zu toppen kam spaeter Juan Carlos Onganía an die Macht (militaerischer Praesident Argentiniens 1966-1970) und ich musste zusehen, wie mein geliebter Vater von Onganias Leuten zusammengeschlagen wurde und im Krankenhaus landete. Auch ich habe einige Formen von Miserie kennen gelernt. Nicht die Armut im Sinne des Wortes aber die Miserie zu sehen wie der eigene Vater von der Polizei zusammengeschlagen oder der einzige Cousin vom Militaer ermordet wird. Hier auf dieser Konferenz ist uns allen bewusst, dass es eine unglaubliche Armut, Ungerechtigkeit und fehlende Chancengleichheit gibt, dass die Gesellschaft geteilt ist. Menschen in manchen Teilen der Welt machen sich Gedanken welche Modemarke sie kaufen sollen, waehrend am anderen Ende der Welt ganze Voelker um das Ueberleben kaempfen, keine Elektrizitaet haben, kein Essen, kein Trinken und keine Ausbildung. In den USA haben die Menschen ein hoeheres Sozialbewusstsein als in Spanien oder Lateinamerika und hier werden sehr ernste Themen angesprochen. Warren Buffet, der ebenfalls hier einen Vortrag gehalten hat, hat gerade die zweithoechste Summe der Geschichte gespendet – und zwar an die Stiftung, die bereits die weltweit groesste Spende erhalten hat.
Ich selber habe nicht mit Warren Buffet gesprochen, aber ich habe ihn gesehen und viel ueber ihn gelesen. Er ist ebenfalls unheimlich natuerlich und hat starke Prinzipien.
Auf der anderen Seite – wir sind ja alle nur Menschen – haben wir auch viel ueber Dummheiten gelacht: ich habe gedacht, dass ich es Michael Dell beim Fahrrad fahren gezeigt habe, er hat sich vielleicht gedacht, dass er es mir als Entrepreneur gezeigt hat, aber wir alle, Michael, Danny (mein Partner bei Fon), Mike Volpi (ebenfalls Partner) und Alex (ein neuer Freund) – wir hatten viel Spass bei unserem Ausflug!
Geposted am Juli 24, 2006
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