Google ist bedeutsam, FON nützlich

Kürzlich hat es etwas Kritik gegeben, über den Umstand, daß FON sein „FON Lab“ eingerichtet hat. Einige Foneros sind der Auffassung, daß sich FON darauf konzentrieren solle, FON zu verbessern und seine Zeit nicht damit verschwenden, Tools, wie beispielsweise Fon.gs, Gspace oder Gmailuploader zu entwickeln, da dies nicht zur Kernkompetenz von FON gehöre.

In diesem Beitrag versuche ich zu erläutern, weshalb sich FONdafür entschieden hat, 2 Dinge gleichzeitig in Angriff zu nehmen: nämlich 40 Programmierer mit der Aufgabe zu betrauen, FON beständig zu verbessern und gleichzeitig 2 weitere Programmierer, die mir direkt verantwortlich sind, zu beschäftigen, um im „FON Lab“ weitere FON - Tools zu entwickeln.

Wie man sich vorstellen kann, bleibt bei der Aufgabe, ein globales Telekommunikationsnetzwerk mit einem Etat von lediglich 38 Millionen Euros aufzubauen, kaum Geld für Werbung übrig. Um dies einmal in einen größeren Zusammenhang zu stellen: Bei meiner letzten Unternehmung, Jazztel, standen uns 500 Millionen Euro zur Verfügung, um allein in Spanien, und dort nur in den Städten, ein Hochgeschwindigkeitsnetz zu errichten.

Jetzt, bei FON - wir sind in Japan, China, Korea, Taiwan, überall in der EU, den USA, in Kanada vertreten - ergänzen wir dort vertretene Mobilfunkanbieter, teilweise stehen wir mit Ihnen auch im Wettbewerb, mit einem Netzwerk im Gesamtwert von vielleicht 1.000.000.000.000. Das alles bewerkstelligen wir mit lediglich 38 Millionen Euros. Während wir bei Jazztel (und Jazztel praktiziert dies heute noch so) TV – Werbung (die in der Tat sehr wirkungsvoll ist) schalten konnten, hat FON die Aufgabe, ähnliche Ziele wie Jazztel zu erreichen, wobei insgesamt kein Geld für Werbung zur Verfügung steht. Eine echte Herausforderung!

Wie also gelingt es FON ein Infrastruktur abhängiges Unternehmen völlig ohne Werbung zu errichten? Meine Antwort darauf besteht aus zwei Teilen: zunächst traten wir mit dem Vorschlag auf die Bühne, daß die Leute anderen Leuten FON mittels Mundpropaganda, ohne jegliche Werbeunterstützung, bekanntmachen sollen, mit dem Slogan: „Teile etwas von Deiner Bandbreite und surfe dafür weltweit kostenlos“. Foneros luden andere ein, ebenfalls Fonero zu werden, so daß Roaming Möglichkeiten entstanden sind. So sind wir gewachsen. Doch dies ist nur die eine Seite der Medaille.

Um das Wachstum von FON zu beschleunigen, haben wir eine andere Werbemethode erfunden. Einige sagen, daß sie derjenigen von Google ähnlich sei, doch ich halte dagegen und meine, dass es sich hier um zwei verschiedene Dinge handelt. Google, einer unserer Investoren, hat eine BEDEUTSAME Werbemethode erfunden, FON hingegen setzt auf eine NÜTZLICHE Werbemethode... und das funktioniert prima (um fair zu sein: das Google Wachstum beruht, zu einem Teil jedenfalls, ebenfalls auf nützlichen Tools. Doch dieser Wachstumsanteil ist, gemessen an deren Hauptstrategie, zweitrangig).

Betrachten wir am Besten ein Beispiel: Fon.gs. "FON Get Simple" wie wir es genannt haben, ist ein Tool, das Eigenschaften von TinyURL mit „tagging“ verbindet. TinyURL ist eine tolle Idee, doch diese ist nicht vollständig durchdacht, da es eine lange und unmöglich zu merkende URL in eine kurze, jedoch gleichfalls unmöglich zu merkende URL umwandelt. FON.gs hingegen wandelt eine lange und unmöglich zu merkende URL in eine kurze und MERKBARE URL um.
Doch wie soll dieses Tool nun dazu beitragen, den von uns als Unternehmensziel definierten WLAN – Planeten zu errichten? Nun, ganz einfach. Für viele Leute wird es so sein, dass Fon.gs das erste Mal ist, daß sie mit dem Wort „FON“ in Berührung kommen.

Ein Beispiel: Wenn man seinem Freund einen Link von Flickr zu Bildern über Barack Obama senden will, so ist es doch jetzt wesentlich einfacher, ihm den Link www.fon.gs/flickrobama zu übermitteln, anstatt in diesem Fall die Zeichenkette http://www.flickr.com/search/?q=barack%20obama&w=all zu senden. Der Freund wird dadurch FON das erste Mal bewußt wahrnehmen. Und immer und immer wieder werden sich Menschen solche Kurz - URLs, die mit Fon.gs generiert wurden, gegenseitig zusenden. Und genau auf diese Weise werden wir bekannt. Was hat uns die Entwicklung von Fon.gs gekostet? 1.300 Euro und bereits nach einer Woche hatte es Nutzer auf der ganzen Welt gefunden.

Im Fall von Gspace findet die gleiche Logik Anwendung. Gspace ist eine Software, die es gestattet, Dateien und Inhalte vom PC kostenlos im Netz abzuspeichern. Das ist für reisende Foneros besonders nützlich. Mittels Gspace wird jeder PC zum eigenen PC. Gspace wird aktuell etwa 10.000 mal täglich auf der ganzen Welt downgeloadet und doch, es ist eigentlich kaum zu glauben, erfordert es nur einen monatlichen finanziellen Aufwand für FON von etwa 800 Euro für Service, Wartung und Weiterentwicklung. Jeder Nutzer von Gspace dort sieht das FON – Logo und ich kann nur bestätigen, dass eine Menge Klicks von dieser Plattform zu FON gelangen.
Wir haben auch den Gmailuploader, ein sehr nützliches Tool, mit welchem man seine alten offline mails nach Gmail überspielen kann, um sie durchsuchbar und verfügbar zu machen. Gmail ist ein sehr nützliches Werkzeug, man kann dort seine alten mails primär jedoch nicht auf diese Weise importieren. Dies erledigt Fon mit seinem Gmailuploader.

Sehr bedeutsame Werkzeuge sind die Mac und Linux Fonspots. Bei dieser downloadbaren Software handelt es sich um eine Möglichkeit, den jeweils persönlichen Mac oder seinen Linux - PC in einen FON Spot oder einen FON Hotspot zu verwandeln, so daß man problemlos Dritten WLAN – Service anbieten kann, wenn man mit seinem Laptop Anbindung an das Internet hat, beispielsweise in einem Cafe oder auf einer Konferenz. Obwohl wir dieses Tool noch nicht für Microsoft anbieten können (wer weiss, wie man das für Microsoft programmieren könnte, sollte sich bei uns melden!), konnten wir, seit der Freigabe, binnen 2 Wochen etwa 6.000 downloads verzeichnen.

Und es wird noch mehr kommen! Das nächste Tool ist FonWit, ein Chat-Client und eine Ergänzung für Skype. Es funktioniert so, daß man, während man Skype benutzt, beispielsweise während eines Job Interviews, sofort einen Begriff nachschlagen kann, den man nicht kennt oder wenn das Girl, das man beeindrucken möchte, mit einem Musikernamen daherkommt, den man momentan nicht kennt. Man muß dann nur noch den Cursor über diesen Begriff bewegen und Google zeigt die Begriffsbedeutung automatisch an – und man ist gerettet.

Nachdem Google also die bedeutsame Werbung erfunden hat, mit großem Erfolg, denn das, was der Werbekunde kontextuell präsentiert bekommt, liest er ja gerade, denke ich, dass wir bei FON eine andere Art der Werbung erfunden haben: Tool basierte Werbemethoden. Das Werkzeug selbst ist die Werbung. Wir produzieren ein nützliches Tool und wir nennen es FON oder weisen darin auf FON hin. Der Nutzer mag FON und ist damit zufrieden, während wir denken, dass er sich, dank dieses Tools, FON zuwendet und man ihm auf diese Weise sagen kann: „Hey, teile etwas von Deiner Bandbreite zu Hause und surfe dafür kostenlos, weltweit, das ist eine coole Idee. Werde Fonero!“

Man sollte jedoch, trotz alldem, nur nicht geneigt sein zu glauben, daß FON darüber die Arbeit an Verbesserungen seiner FON Plattform und den Community Diensten vergessen hätte. Wie ich bereits erwähnte, liegt das Verhältnis der Programmierer bei 40:2, denjenigen die für FON arbeiten im Vergleich zu jenen, die im „FON Lab“ arbeiten. Das „FON Lab“ ist meine Idee und wird von Victor und Albert Martin in der Praxis umgesetzt, zwei kreative Programmierer, die die großartige Fähigkeit besitzen, meine Ideen zu verbessern und zu verwirklichen . Das „FON Lab“ befindet sich in Katalonien. Im FON Headquarter in Madrid arbeiten 40 Ingenieure an einer Fülle von Verbesserungen, die wir im Juni und Juli bekannt geben werden, und die FON zu einer nützlicheren und effektiveren Plattform machen werden. Mehr dazu demnächst.

Ich hoffe, daß diese Erläuterungen Klarheit herstellen. Um auf die Frage zu antworten, ob diese Strategie erfolgreich ist, so kann ich heute nur sagen, dass sie hervorragend funktioniert. Wir haben weniger als 50.000 Euros dafür ausgegeben und weit mehr als 600.000 Leute benutzen unsere Tools bereits; mit steigender Tendenz. Mehr Leute, als wir bisher Foneros haben, halten diese Tools für nützlich und viele finden auf diese Weise Ihren Weg zu FON. Das ist unsere Strategie. Es ist sehr viel einfacher auf Fon.gs zu surfen und eine Kurz - Url zu generieren, als einen Router für 40 EUR zu kaufen, sich diesen zusenden zu lassen und ihn am Fenster zu installieren. Es ist in der Tat so, daß viele erst durch unsere Tools auf FON aufmerksam werden. Auf diese Weise erzeugen wir bei ihnen Markenbewußtsein und Vertrauen, bevor sie dann schliesslich selbst Foneros werden.

Geposted am Mai 24, 2007
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