Wäre es nicht fair, die „New York Times“ und „The Economist“ zu bitten, die Gepflogenheiten des Internet zu übernehmen?

Ein Journalist der „New York Times“ erzählte mir gestern, daß die „New York Times“, im Gegensatz zu den „top blogs“, in ihrer Internetausgabe, normaler Weise nicht auf die Quellen ihrer Beiträge verlinkt. Tim O'Reilly weist heute auf diesen Umstand hin und bezieht sich auf einen Beitrag der „New York Times“, in welchem ich zitiert werde, ein Link auf meinen Blog dort jedoch fehlt. In dem beschriebenen Fall handelt es sich um meine Story über Anne Wojcicki und 23andme.

Und das hat die “New York Times“ dazu geschrieben. Der Artikel dort wurde offenbar von meinem Blogbeitrag inspiriert, den ich im Januar über diese Unternehmung verfasst hatte, in Verbindung mit einem Blogbeitrag von mir letzthin, in welchem ich über die Finanzierungsrunde von Annes Unternehmung berichtete.

Liest man den Artikel in der „Ney York Times“, so klingt es, als ob sie tatsächlich ein Interview durchgeführt hätten .. mit meinem blog! Wäre es vermessen, die „New York Times“, die wichtigste Tageszeitung der Welt, zu bitten, auf diejenigen Blogs, welche sie zitiert, auch zu verlinken, um auch dort diejenigen Gepflogenheiten des Internet zu übernehmen, die offenbar noch nicht Bestandteil ihrer Unternehmenskultur geworden sind?

Die „New York Times“ steht hier nicht allein. Eine ähnliche Fragestellung tut sich bei „The Economist“ auf, dem wahrscheinlich besten Wirtschaftsmagazin der Welt. Neulich wurde ich für einen Artikel im „The Economist“ interviewt. Als die Story gedruckt war, so fand sich darin nicht nur kein Link auf meine aktuelle Unternehmung, FON, nein, ich bemerkte zudem noch, dass die Journalisten des „The Economist“ die von ihnen verfassten Beiträge auch nicht mit ihrem Namenskürzel kennzeichnen.

Zumindest im Fall der „New York Times“, war es mir möglich, eine e-mail an Katie Hafner , die den Artikel dort geschrieben hat, zu senden, und sie zu bitten, auf Ihre Quellen zu verlinken. Im Fall des „The Economist“ jedoch war dies, aufgrund der Anonymität des Verfassers nicht möglich. Eine Möglichkeit, die in der Welt der Blogs im Allgemeinen nur den Kommentatoren zugestanden wird, nicht jedoch den Verfassern.

Wenn, beispielsweise, der „The Economist“, wie in diesem Fall, eine Geschichte über den Stand der Dinge in Spanien publiziert, die zudem gut geschrieben und ausgewogen ist, so muss man niemand dafür danken. Allerdings wäre jedoch auch das Gegenteil möglich.

Es ist meine persönliche Auffassung, daß Journalisten weltweit ebenfalls vom Feedback ihrer Leserschaft profitieren könnten, so wie dies bei Bloggern durch die Leserkommentare der Fall ist.

Kürzlich hatte ich Gelegenheit, John Micklethwait, zu treffen, den Chefredakeur des „The Economist“ und die Frage bezüglich der beschriebenen Anonymität bei Ihm aufzuwerfen. Seine Antwort war, daß „The Economist“ derzeit keine Änderungen der Verfahrensweisen plane und dass dies dem Magazin seit Jahren gut getan hätte. Ich vermute, daß John einen gefestigten Standpunkt vertritt. Ein Magazin, das seit 1843 regelmässigt erscheint und eine Tageszeitung, die seit 1857 regelmässig gedruckt wird, haben sich wahrscheinlich das Recht erworben, nach ihren eigenen Regeln zu leben. Seit diese Publikationen jedoch dabei sind, von herkömmlichen Druckverfahren, in das Internet überzuwechseln, würde ich mir wünschen, daß auch sie den Transparenzgepflogenheiten folgen, die im Internet Verwendung finden und die man dort erwartet.

Geposted am Mai 31, 2007
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